„War der Flug nicht furchtbar lang?“ – Diese Frage, kam häufiger auf als die nach den Highlights im Land. Zu viert haben wir einen Roadtrip durch den Südosten Australien gemacht.
Natürlich ist die Zeit bei einem Flug mit zwei Kindern im Alter von fünf und sechs von Frankfurt bis zur Ostküste Australiens nicht zu unterschätzen, aber in Zeiten der unendlichen Streaming- und Entertainmentdienste an Bord der Airlines wird vieles einfacher. Und bevor die Augen eckig wurden, kam der Wunsch nach Schlaf von ganz alleine.
Die drei Stunden Aufenthalt mit einem kurzen Stopover am Flughafen in Singapur reichen prima, um die Spielplatz-Ecke, den Schmetterlings-Garten und den Koi-Karpfen-Teich zu betrachten. Uns schon sitzen wir im Flieger nach Brisbane.
Brisbane ist eine wunderbare, kinderfreundliche Stadt, die man auch gut zu Fuß erkunden kann. Und die schönsten Häuser mit sehr vielfältigen Architekturen lassen sich ganz bequem mit der Linien-Fähre betrachten, die in regelmäßigen Abständen über den Brisbane River fährt und man so eine Menge von der Stadt sehen kann.
Für uns persönlich war der Besuch von Bluey‘s World (eine australische Zeichentrickserie, die international Familien begeistert) und das anschließende Planschen im öffentlichen Pool in der Nähe der South Bank der Höhepunkt in Brisbane. Generell hat uns von den Großstädten, die wir besucht haben, Brisbane am besten gefallen.
Nachdem wir in der Stadt unser Mietauto eingesammelt haben ging es in Richtung Süden an der Küste entlang bis nach Brunswick Head. Von dort kann man gut entweder einen Strandtag machen, einen Markt oder den Leuchtturm und das mondäne Örtchen von Byron Bay besuchen.
Wir haben uns für gut ausgestatteten Apartment-Unterkünfte für diese Reise entschieden und uns die meiste Zeit selbst versorgt, was bei den guten, heimischen Produkten in den Supermärkten auch richtig Spaß macht. Und Grill-Herz des Papas kam auf dieser Reise voll auf seine Kosten, da das Essen auf dem Grill zuzubereiten in Australien so normal ist, wie bei uns das Kartoffel kochen. Und in fast jeder Unterkunft stand ein gut gepflegter Gas-Grill zur Verfügung.
Heute ging es etwas weg von der Küste in Richtung Inland nach Raleigh in New South Wales. Die Landschaft wird hügeliger, grüner und wir haben die ersten Kängurus gesichtet. Insgesamt wirkt die Region wunderbar ländlich und bietet mit dem Waterfall Way den idealen Standort die vielen kleinen Wasserfälle entweder anzufahren oder hinzuwandern. Neben Staudamm bauen, planschen und Tiere beobachten, findet dort jeder Alters- und Zielgruppe etwas Schönes für sich.
Weiter ging es wieder in Richtung Küste in die Nähe von Port Macquarie, einem Krabben- und Austernmekka, wo das Fisch- und Meeresfrüchte Liebhaberherz direkt mal ein paar Takte höher schlägt. Ob Kängurus, die tiefenentspannt auf dem benachbarten Campingplatz herumliegen, der Buntwaran der von den hügeligen Bergen der „Brother-Mountain“ im Regenwald herumspaziert oder die knallbunten Seesterne, die man in den Gezeiten-Tümpel am Strand findet – es gibt hier eine Menge wunderbare Tiere zu entdecken.
Für den nächsten Stopp in Sydney haben wir uns eine Unterkunft etwas außerhalb vom Stadtzentrum gesucht, damit wir den Mietwagen auch ohne große Mehrkosten parken konnten. Das öffentliche Verkehrsnetz ist super ausgebaut und wir waren innerhalb von 15 Minuten mitten im Geschehen am Hafen oder der Innenstadt. Es lohnt sich eine der vielen Fähren vom Circular Quay zu nehmen und z.B. zum Toranga Zoo oder dem Örtchen Manly zu schippern, da man dann während der Fahrt einen spektakulären Blick auf die Skyline von Sydney bekommt. Für Fahrrad-Freunde können wir auch eine geführte Bike-Tour empfehlen. So bekommt man gut einen Überblick von der Innenstadt und kann sich dann im Anschluss überlegen, wo man gerne nochmal mehr Zeit verbringen möchte. Wanderfans ist der Küstenabschnitt von Coogee nach Bondi Beach zu empfehlen, wo die Mischung aus tollen Ausblicken und legendären Surfer-Vibes jede Stufe und Biegung des Weges zu einem Foto verleitet.
Für die historisch und politisch interessierten Besucher lohnt sich ein Stopp in der Hauptstadt Canberra. Das Australia War Memorial ist in einem imposanten und architektonischen sehr ausgeklügelten Gebäude beherbergt, die die Geschichte Australiens und seiner Soldaten in allen vergangenen sehr ansehnlich dokumentiert. Wer sich auf andere und mehr spielerische Art weiterbilden möchte ist im Questacon – Australiens mehrmals prämierten Wissenschaftsmuseum – genau richtig. Viele Experimente und Wissen zum Anfassen begeistert sämtliche Generationen.
Für uns ging es weiter in Inland zu Bekannten die in der Nähe von Wodonga/Albury. Der Murray River bildet zwischen den zwei Städtchen eine natürliche Grenze, die auch gleichzeitig eine Bundesstaaten-Grenze ist. Eine Seite New South Wales, die andere Seite Victoria. Hier haben wir den eher typischen australischen Alltag erlebt, obwohl man entlang des Murray Rivers immer wieder schöne Picknickstellen oder Bademöglichkeiten finden kann
Der Ort Beechworth, der dort nicht weit entfernt liegt, versetzt einen in die Zeit der Goldgräber und Pioniere. Hier fühlt man sich ein bisschen wie in einem australischen Hessenpark, da man dort noch das alte Telegrafen-Amt, das alte Versammlungsgebäude, die alte Bank besichtigen kann und viele Fragen von den dort arbeitenden Ehrenämtlern beantwortet bekommt. Nebenbei gibt es noch niedliche kleine Geschäfte die den heimischen Honig, hausgemachte Süßigkeiten und auch das legendäre Gold (in moderaten Mengen) verkaufen.
Weiter ging es durch die Australien Dividing Range und durch das Skigebiet von Victoria. Es lag noch kein Schnee, aber die Fahrt ist trotzdem spektakulär und sehr kurvig. Ziel dieser Etappe war Lake Entrance zurück an der Ostküste.
The Lakes National Park bietet unzählige Ausflugsmöglichkeiten und wir haben uns für Raymond Island entschieden. Diese kleine vorgelagerte Insel ist zwar bewohnt, aber es gibt nur eine Fähre rüber und keinen einzigen Einkaufsladen. Die Besonderheit dieser 7,5 Quadratkilometer großen Insel ist, dass sie eine sehr hohe Koala-Population besitzt. Sobald man den Dreh raus hat, nach welchen Knubbeln man in den Eukalyptus-Bäumen man suchen muss, erkennt man die Fellknäule auch. Am Ende waren es über 20 Koalas, ein Känguru und zahlreiche Vogelarten, die wir in dieser Siedlung, teilweise in den Vorgärten, entdeckt hatten. Das beste Wimmelbild überhaupt!
Unsere nächste Unterkunft nahe der Wilson Promontory Marine Parks war so schön in der Landschaft integriert, dass wir uns für die nächsten Tage erstmal mit Essen eingedeckt haben, da im Umkreis von 40 km erst einmal nichts ist. Dafür kann man eine wunderbar wilde Ecke der Ostküste erleben, die hauptsächlich nur erwandert werden kann, da es kaum Straßen gibt. Alternativ steigt man auf ein Schiff oder wie wir, in ein Amphibienfahrzeug und bestaunt die bunten Granitfelsformationen, drollige Seerobbenkolonien und eine lustige wilde Fahrt durch die Brandung.
Unser vorletzter Stopp hat uns auf die Mornigton Peninsula geführt, den Naherholungsvorort der Melbourner Stadtbevölkerung. Alles wirkt hier sehr entspannt, aber das nötige Kleingeld muss man schon haben, um sich hier ein Ferienhaus zu leisten. Aber der Strand ist kostenlos und für alle da und hat an vielen Stellen die schönen, bunten Bathing Houses – kleine historisch geschützte Holzhütten – die über Generationen weitervererbt oder für Höchstsummen weiterverkauft werden. Dafür kann man dann seine Badesachen und kleine Boote direkt am Strand lassen und muss nicht mühselig immer alles zum Strand karren.
Leckeres, frisches Seafood-Essen findet man hier garantiert und auch ein Plausch mit den Einheimischen. Auch von hier aus kann man prima entweder mit den Fähren die Küstenabschnitte erkunden oder zur Penguine-Parade nach Phillips-Island fahren.
Als Letztes stand noch einmal eine Großstadt auf dem Plan – Melbourne, aktuell auf Platz der drei der lebenswertesten Städte der Welt – und alleine hier kann man locker eine Woche verbringen und es wird nicht langweilig. Innerhalb des Stadtzentrums fährt eine kostenlose Straßenbahn und auf diesem Weg kann man super die einzelnen Stadtteile erkunden. Da die Kinderbeine aber keine ewigen Strecken mehr in der Stadt laufen wollten, haben wir mit Ihnen das Melbourne Museum erkundet, das von Dinos-, Regenwald-, Insektenausstellung bis hin zu einem tollen Spielplatz einfach alles hatte.
Am Morgen der Heimreise, wieder über Singapur, sind wir noch entspannt über den Victoria Market gebummelt und haben die letzten Souvenirs für Freunde und Familie eingesammelt.
Unser Fazit: Ja, der Flug ist lang, aber wir würden diese Reise jederzeit wieder machen. Australien ist ein wunderbar offenes, kinderfreundliches und sauberes Land. Es gibt gefährliche Tiere, aber die trifft man eher im Zoo an, als wirklich in der freien Natur – es sei denn man legt es darauf an und hüpft in jeden Busch rein – dann steigt die Wahrscheinlichkeit. Der australische Spätsommer war für uns eine sehr gute Reisezeit, das ging aber auch nur da wir noch nicht an die Schulferien gebunden waren





























