In Frankfurt nehme ich, gemeinsam mit einer Gruppe, Platz im Airbus der SriLankan und wir fliegen nach Sri Lanka. 10 von 11 Personen der Gruppe kennen das Land noch nicht, und so sind wir uns sicher, dass es für alle eine spannende Reise wird.
Gelandet, Koffer in Empfang genommen, durch die Grenzkontrolle und Nisha, unser Guide vor Ort, nimmt uns freundlich in Empfang. Die Hände vor der Brust gefaltet und den Kopf leicht geneigt wünscht er uns ein langes Leben- Ayubowan. Wir übernehmen diese Geste nun stets zum Gruß und auch zum Abschied, und alle, denen wir begegnen scheint es eine Freude zu sein, wenn wir so grüßen. Überhaupt sind alle Menschen, die wir treffen, sehr freundlich und positiv aufgeschlossen.
Mit frischen Blumen geschmückt machen wir uns auf die lange Busfahrt nach Habarana, wo wir die erste Nacht verbringen werden. Einmal aus Colombo draußen fällt mir gleich dieses Gewirr von Vogelstimmen und Tierlauten auf. Sri Lanka Riesenhörnchen, Palmenhörnchen, Warane, Echsen, Affen und auch Flughunde zeigen sich uns in den ersten Stunden noch in der Hotelanlage.
Früh am nächsten Morgen machen wir uns auf zum Löwenfelsen in Sigiriya. Die gerade erst aufgegangene Sonne hüllt die beeindruckende historische Anlage in ein mystisches Licht. Wir laufen durch die ehemaligen Gärten, durch die Überreste der Löwenpranken bis zum Gipfel, von dem man einen tollen Ausblick hat. Auf dem Rückweg gehen wir entlang der Spiegelmauer bei den Gemälden der Wolkenmädchen vorbei. Es ist selbstredend, das die Ruinen UNESCO-Weltkulturerbe sind. Am Vorabend haben wir im Hotel bei einem VR Erlebnis eine 360 Grad Tour durch die Festung der damaligen Zeit gemacht, was mir sehr hilft, die Schönheit des Ortes und die Zeitzeugen aus Stein zu erkennen.
Das Kontrastprogramm erleben wir am selben Tag bei einer Safari im Minneriya Nationalpark. Schon nach kurzer Fahr im offenen Jeep zeigt sich leben im üppigen Grün des Parks. Elefanten! Erst einer in der Ferne, dann immer mehr und immer näher kommen wir an die imposanten Tiere heran. Für mich war es die erste Safari und ich war ergriffen von dem Anblick der ruhigen Tiere. Jungtiere, ein Bulle beim Wasserloch, keiner lies sich stören von den Jeeps, die für meinen Geschmack schon recht viele waren zeitweise.
Am nächsten Tag besichtigen wir die Felsentempel in Dambulla, auch UNSECO-Weltkulturerbe. Die verschiedenen Höhlentempel sind alle kunstvoll bemalt, mit vielfältigen Skulpturen auch heute noch gelebte Gebetstempel. Wir treffen Mönche und werden Zeuge eines Kokosnuss-Rituals. Für mich persönlich ist dieser Tempel wesentlich schöner und nachhaltig beeindruckender als der berühmte Zahntempel von Kandy. Dieser ist von außen viel beeindruckender, aber auch mit viel mehr System und ungleich mehr besucht. Hier gehen wir durch die Ausstellungen und Säle, durch die Audienzhalle und natürlich auch an dem Schrein vorbei, in dem die Zahn-Reliquie vun Buddha aufbewahrt sein soll. Auch wenn hier viele hingebungsvoll betende Menschen sind, viele Opfergaben in Form von Blumen gebracht werden wirkt dieser Ort auf mich sehr viel kommerzieller als ich es mir gewünscht hätte.
Wir machen im Anschluss eine kleine Stadtrundfahrt durch Kandy und ruhen uns aus für den nächsten Tag, der sicher wieder spannend wird.
Die Busfahrten zwischen den Stationen unserer Reise sind auch wirklich schön. Immer wieder passieren wir Reisfelder, mal laufen Wasserbüffel am Straßenrand, einmal sogar ein Elefant. Es gibt Straßenhändler, die Obst und Gemüse verkaufen. Natürlich testen wir hier Bananen und Ananas. Lecker süß und geschmacklich nichts, was wir so bei uns im Supermarkt finden. Als wir an einem Erdnussfeld vorbeikommen bittet unser Guide Nisha den Busfahrer kurzerhand anzuhalten. Wir werden zum Feld gelotst und sind anfangs ein wenig verschämt, die arbeitenden Männer und Frauen nicht nur zu unterbrechen, sondern auch Bilder machen sei kein Problem. Natürlich bemerkten uns die Bauern rasch und kamen freundlich auf uns zu, zeigten uns, wie man Erdnüsse pflanzt und erntet, zeigten Setzlinge und ließen uns frische Erdnüsse probieren. Wieder eine Situation, die uns bemerkenswert echt zeigte, wie freundlich und aufgeschlossen die Menschen hier sind. Ayubowan grüßend verabschieden wir uns vom Feld und sind nun alle wieder eine Erfahrung reicher.
Teeplantagen sehen doch etwas anders aus als Erdnussfelder. Das ohnehin üppige grün zieht sich in den Plantagen über Hügel und Weiten. Bei einem Tasting schmecken wir die unterschiedlichen Qualitäten, deren Herstellung wir im anschließenden Showgang durch die Produktionshalle sehen können. Zwischen all den Teepflanzen wachsen Eukalyptusbäume, Palmen, Jackfrucht und tausend andere Pflanzen in allen Grüntönen der Farbpalette.
Wir verbringen die Nacht in Nuwara Eliya, wo wir, immer noch nicht satt vom Anblick der grünen Landschaft, einen Spaziergang im Sonnenuntergang durch die Plantagen am Hotel unternehmen, bevor wir am Abend ein Arrack Tasting erleben. Arrack ist einer der ältesten Spirituosen der Welt und ist auf Basis der Kokospalmen Blüten.
Es geht wieder früh los am nächsten Morgen, denn wir möchten den Zug nach Ella nicht verpassen. Abenteuerlich alt wirkt der Zug und abenteuerlich auch die Möglichkeit an den stets offenen Türen sich nach Gemüt weit herauszulehnen, auf den Stufen der Tür zu sitzen, oder aus dem Fenster heraus die tolle Landschaft zu genießen. Tunnel und teils Blumengeschmückte Bahnhöfe später erreichen wir kurz vor unserem Ziel die berühmte nine arches Brücke, ein Meisterwerk der Landviadukte, die viele Bewunderer anzieht, besonders, wenn, wie jetzt gerade, ein Zug darüberfährt.
In Ella genießen wir Lamprais, ein traditionelles Gericht im Bananenblatt gegart. Überhaupt ist die Küche in Sri Lanka toll! Leckere Currys, Soßen und Dips, Reis und Gemüse, alles lecker gewürzt und auch im für europäische Gaumen nicht zu scharf.
Frisch gestärkt besteigen wir danach den little Adams Peak, genießen den atemberaubenden Ausblick bevor wir weiter zu unserem Nachlager wirklich mitten im Dschungel fahren. Schon dunkel bei Ankunft zeigt sich am nächsten Morgen in welchem Paradies wird hier sind. Gefühlt fern jeder Zivilisation machen wir eine Wanderung durch das Gelände, begleitet von Vogelgeräuschen vorbei an Pfeffer, Vanille, Jackfrucht und allerlei weiteren riesigen Dschungelpflanzen. Wir kommen an einem kleinen Wasserfall an, bevor wir zurück zum Hotel müssen.
Vorbei an den Diyaluma Falls geht unsere Reise Richtung Küste, genauer gesagt zum Yala Nationalpark, an dessen Rande wir die Nacht verbringen werden. Im wundervollen Hotel genießen wir den Blick auf den Indischen Ozean, die Ruhe und das wieder leckere Essen. Als es plötzlich hektische Lichtkegel am Strand gibt sehen wir, wie ein Elefant aus dem Yala bei uns vorbeikommt und sich am Strand genüsslich an den Büschen zu schaffen macht. Es wird darauf geachtet, dass sich niemand dem Tier nähert, keine Gefahr von ihm ausgeht und so begleitet er über eine Stunde unsere Abendrunde.
Wieder früh am nächsten Morgen starten wir in den Nationalpark, der sehr weitläufig und daher nicht so voll ist. Wir sehen Vögel, Adler, Krokodile, Wasserbüffel, Elefanten, Warane und ein Teil unserer Gruppe auch einen Lippenbären. Jaguare sehen wir leider keine, die haben sich gut versteckt. Nach der aufregenden Safari geht es weiter an der Küste Richtung Tangalle, zu einem Strandabschnitt, an dem wir viele Schildkrötenspuren sehen. Sie kommen hier an den Strand, legen Eier, die Nester werden geschützt und die kleinen Schildkröten können nach dem Schlupf in die Fluten zurück.
In Weligama erholen wir uns wieder ein wenig und ich genieße ein Bad im Indischen Ozean, zwei Schildkröten schwimmen unbeirrt neben uns durch die hohen Wellen und es ist ein weiterer zauberhafter Moment, den ich erleben darf. Abgetrocknet, umgezogen und wieder ab in den Bus zu unserem nächsten Halt in Galle. In der historischen Altstadt, die Überreste des Forts sind natürlich auch Weltkulturerbe, übernachten wir. Ein VR Rundgang durch das frühere Galle erklärt uns die recht blutige Geschichte dieses Ortes und auch hier unterstützt dieses Erlebnis das Verständnis der Örtlichkeiten als wir einen Spaziergang durch die Gassen und entlang der Festungsmauern machen.
Langsam neigt sich unsere Reise dem Ende zu. In der letzten Station Hikkaduwa haben wir Zeit und Ruhe die vergangen Tage Revue passieren zu lassen. Unter dem endlosen Konzert der Vogelwelt kühlen wir uns im Pool ab, tauschen uns aus und genießen diese unendliche Vielfalt der Flora des Landes. Pfauen laufen nonchalant an unserem Pool entlang, Affen turnen durch die Bäume und am Abend begleiten uns Glühwürmchen auf unserem Weg. Unbeschreiblich.
Auf dem Weg nach Colombo halten wir noch in Bentota, um uns ein Bild vom beliebten Strandziel zu machen.
Nach dem üppigsten Grün der vergangenen Tage trifft mich der Kontrast zur Hauptstadt hart. Ehrlich gesagt kann ich mich damit nicht anfreunden. Einige aus der Gruppe genießen den Trubel von Menschen und Fahrzeugen als wir zum Markt gehen, ich selbst sehe offenbar schneller die hässlichen Ecken und für mich ist es besser mich an die vergangenen Tage zu erinnern. Dabei hat Colombo viele tolle historische Gebäude, Verzierungen und unser Guide nimmt uns auf die Reise durch diese Gebäude gut mit.
Auf dem anstrengenden Heimweg denke ich viel nach über die Freundlichkeit, mit der man uns begegnete. Ich hatte wenig Erwartung an das Land und wurde gänzlich in seinen Bann gezogen. Mythisch und Mystisch, lebendig, üppig, Kultur, Glaube, Stolz und diese grandiose Natur.
Ich glaube, man muss Sri Lanka erleben, um es zu verstehen und zu vermissen.

































